Das Herz des Projektes „Pferde stärken“ ist die Zeit mit den Menschen und den Pferden. Es wirkt auf verschiedensten Ebenen und auf alle Beteiligte.

Die Eltern freuen sich über einen Termin im Kalender, der ihrem Kind gut tut und zu dem ihr Kind gerne geht. Manchmal nutzen sie die Zeit für einen Spaziergang, anz oft bleiben sie auch gern im Stall. Trinken einen Kaffee, erzählen, lachen mit ihrem Kind, hören zu wie die Pferde friedlich ihr Heu malmen und gehen ruhig und auch gestärkt nach Hause.

Die Kinder (Jugendlichen) erleben die Zeit im Stall mit all ihren Sinnen. Es ist ein Raum, der zur Bewegung anregt, zum Entdecken und zur Neugierde. Sie lernen, sich selbstständig im Stall und mit den Tieren zu bewegen. Die Kinder lernen ihren Körper etwas besser kennen. Bewusst zu spüren wie fühlt es sich an, wenn jemand Kontakt zu mir aufnimmt. Lernen über Entspannungsübungen auf dem Pferd – Wie fühlt sich mein Körper? Welcher Körperteil ist ganz weich, wo sitzt mein Ärger? Sie lernen, ihre Körperspannung zu halten und im Trab wird dabei auch noch herzlich gelacht. In weichen Schaukeltakt des Schrittes spürt das Kind: ich kann vertrauen und bin aufgehoben. Ohne sich bei einer Therapie zu fühlen, reagiert ihr Körper ganz unvermittelt auf die Muskelstimulanz, die sich durch die Bewegung des Pferdes ergibt.

Es gibt auch Zeit für Mitgefühl, wenn zum Beispiel ein Pferd verletzt ist und gemeinsam verarztet wird. Manchmal ergibt sich dann ein Gespräch über Krankheit und Schmerz, Narben und Heilung – in einem Zusammenhang, der vom Kind sinnvoll erlebt wird.

Viele Augenblicke laden dazu ein, die eigenen Grenzen wieder zu spüren und einzufordern. Wenn zum Beispiel eine neugierige Pferdenase eine Hosentasche durchsuchen möchte, das Kind aber merkt „He das will ich doch gar nicht.“ Wer einem 500 Kilo Wesen ohne Sprache klar machen kann „Hier ist meine Grenze.“, der kann das auch wieder mit Menschen.

Die Kinder lernen am Modell, schauen zu wie andere das so machen. Gemeinsam werden alle möglichen Aufgaben erledigt und Abenteuer erlebt. Hier gehört man dazu und ist kein Aussenseiter.

Die Pferde bringen unterschiedliche Talente mit und auch sie lernen in den gemeinsamen Zeiten. Auch wenn sie alle zuverlässig und gutmütig ihre Aufgaben meistern, so gibt es dennoch den Moment der eigenen Initiative. Auch sie lernen mitzudenken, Zeichen zu setzen und ihre eigenen Ideen einzubringen. Sie reagieren sensibel auf Gefühle, die von aussen noch nicht sichtbar sind. Ermuntern, den Schritt zu machen, dieses Gefühl auch zu erleben.

Die Therapeuten dürfen mit den Kindern eintauchen in eine bunte Welt aus vielen Gefühlen. Es macht unglaublich zufrieden und ist berührend, mit den kleinen Helden ihre Geschichte zu erkunden. Immer wieder gibt es ungeplante Glücksmomente, in denen die Pferde den Kindern etwas Ungeplantes schenken. Wenn Mylo sich zum Beispiel einfach zum Schlafen neben ein Kind legt, oder Picaro ohne Halfter und Strick willig dem Kind durch das Labyrinth folgt. Wenn Snoopy fröhlich auf ein Kind zutrabt und Missy friedlich einer Mutter ihre Nase an den Hals legt und tief brummelt. In diesen Momenten der Verbundenheit ergibt sich ein tiefer Sinn.