Yvonne Sutter, Heimenkirchen

„Der wahre Beruf des Menschen ist, zu sich selbst zu kommen“ Hermann Hesse, Dichter 1877-1962

In diesem Sinne hatte ich eine lange spannende Reise bis ich meinen Beruf und meine Berufung fand. Aber heute kann ich sagen: Ich bin bei mir!

Ich bin 40 Jahre alt und glücklich verheiratet. Wir haben 4 Kinder, 2 Mädchen (14 & 9 Jahre) und 2 Jungs (7 und 2,5 Jahre), ansonsten leben bei uns noch ein Hase und 2 Katzen und viele Fliegen, wie meine Kinder immer sagen, so ist das eben auf dem Lande.
Aufgewachsen bin ich in einer Großfamilie mit 4 Geschwistern und 2 Halbgeschwistern und die Familie ist mir sehr wichtig, ebenso wie die positive Entwicklung der Kinder zu Erwachsenen.

Als gelernte Hotel- und Gastgewerbeassistentin hatte ich immer mit den verschiedensten Menschen zu tun und das hat mich immer sehr an diesem Beruf gereizt und daher übe ich ihn nach wie vor gerne aus. Nach der Geburt unserer ersten Tochter bin ich mehr durch Zufall in meinen nächstes Beruf gestolpert: Mit Leib und Seele habe ich Brautpaaren bei der Planung und Ausstattung Ihres großen Tages als Hochzeitsplanerin mit Brautmodegeschäft geholfen.

Ich habe auf meiner Reise sehr viel gelernt und bin dadurch in vielen Bereichen gewachsen. Es war nicht immer einfach, aber gerade solche Situationen stärken einen fürs Leben. Unsere erste Tochter hat eine leichte Form von Rheuma und unsere Zweite ist mit Spina bifida (offener Rücken) geboren. Durch meine zweite Tochter hat sich sehr viel in meinem Leben und meinem Denken über das Leben geändert, worüber ich aber heute sehr froh bin. Durch diese neuen Lebenserfahrungen wurden andere Dinge wichtig und die wirklich wichtigen Dinge im Leben waren plötzlich ganz andere wie früher. Ein weiterer wichtiger Teil meines Lebens ist zurückgekehrt und das waren die Pferde, jetzt im Nachhinein, weiss ich gar nicht mehr, wie ich knapp 10 Jahre ohne Pferde aushalten konnte. Dafür sind sie dann ganz intensiv in mein Leben zurückgekehrt und haben auch das Leben meiner Kinder bereichert. Aufgrund dessen, habe ich die Ausbildung zur Reittherapeutin gemacht und mich in vielen weiteren Themen belesen und es gibt noch einige Ausbildungen und Fortbildungen, die folgen werden.

„Das Glück dieser Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde“

Auch mein Mann hat sich als Musikschullehrer weitergebildet und macht Musik mit Menschen mit Behinderung. Er liebt diese Arbeit sehr und wir können uns viel darüber austauschen, denn in der Musik und beim Reiten passieren ähnliche, um nicht zu sagen die gleichen Dinge. Nur das Medium ist ein anderes.

Beim Reiten genauso wie in der Musik und im Leben geht es um Takt, Rhythmus, Feingefühl, Harmonie und nicht zu vergessen um Liebe! Die Liebe zum Leben an sich. Diese Liebe und Leidenschaft möchte ich weitergeben und andere inspirieren und infizieren.

Mein reiterischer Werdegang
Mit 10 Jahren habe ich das Reiten begonnen. Meine Freundin und ich durften die Pferde der Nachbarn reiten, nachdem wir uns um dem Stall gekümmert hatten. So habe ich von Anfang an gelernt, das auch viel Arbeit rund ums Pferd anfällt und auch diese gemacht werden muss. Wir durften mit dem Besitzer der Pferde zu Fahrturnieren und halfen dort gerne mit.
Regelmäßig nahm ich Reitunterricht bei verschiedenen Trainern. Ich war nie turnierambitioniert und war somit immer Freizeitreiter mit bevorzugter Tendenz zur Dressur. Springunterricht hatte ich zwar, aber nur weil das Pony, später dann die Pferde mich freiwillig über die Hindernisse brachten. Nach meiner Reitpause nahm ich Unterricht bei einer Centered Riding Lehrerin und da hat sich einiges an meinem Reitstil geändert. Teilweise durfte ich alles gelernte über Bord werfen und neu reiten lernen. Ich informierte mich über verschiedene Reitstile und auch über die Geschichte des Reitens und lernte, dass wesentlich mehr zum Reiten dazu gehört als ich bisher dachte. Es war einfach toll! Es hat mich sehr inspiriert und ich merkte dadurch, warum ich eine Reitpause hatte: Ich hatte kein Ziel vor Augen bzw. fehlte mir der Weg und die Art, wie das Ziel eventuell zu erreichen wäre. Jeden Tag und jede Sekunde bei den Pferden lernt man von Ihnen, man lernt sich selbst besser kennen und seine Gefühle, Gedanken und seinen Körper bewusst einzusetzen und genau das ist von unschätzbarem Wert.

Ich bilde mich regelmäßig fort, um das Gelernte auch wieder weiter zu geben. Großes Interesse habe ich an horsemanship, Bodenarbeit, Handarbeit und Reiten im Sinne der klassische Reitkunst nach den alten Reitmeistern.

Meine Pferde schätzen diese Arbeit sehr, auch wenn es ihnen machmal stinkt, denn es ist harte Arbeit, aber ganz ehrlich, ich finde Situps auch nicht toll! Sie bemühen sich aber immer sehr und wachsen aus sich heraus bei dieser Art zu arbeiten und sind dann ganz stolz, wenn sie eine neue Übung meistern. Zum Ausgleich der Therapiearbeit und der klassischen Reitkunst gehen wir natürlich ins Gelände, um die Seele baumeln zu lassen und um zu genießen.

Die Pferde:

Nobby – Welsh-A Wallach – 16 Jahre
Mein großer Lehrmeister ist nicht der Größte, aber im Herzen sehr.
Mit seinem Stockmaß von 1,15 cm befindet er sich auf Augenhöhe mit den Kindern. Er liebt es betüdelt , geknutscht und gestreichelt zu werden. Er hat vor nichts Angst und gibt dadurch sehr viel Sicherheit. Jedoch müssen die fortgeschrittenen Kinder ganz klar mit ihm kommunizieren, ansonsten bleibt er einfach stehen und wartet, bis er eine eindeutige Ansage bekommt und es hilft nicht, laut oder grob zu werden, das ignoriert er einfach. Er mag einen ruhigen, konsequenten und bedachten Umgang.

Metropolitan „Mette“ – Araberstute – bald 20 Jahre
Mette hat bei uns eine neue Aufgabe gefunden, die sie sehr gerne macht und möchte beschäftigt werden. Sie hat sehr viel Energie und Elan und ist super feinfühlig. Kleine Kinder trägt sie sicher auf ihrem Rücken und versucht, die noch nicht ganz ausbalancierten Kinder im Trab nicht zu verlieren. Sie reagiert auf Feine Hilfen, daher lernen Kinder achtsam mit einem Tier umzugehen. Leider hat sie Zahnprobleme und muss dadurch auch vermehrt gepflegt werden, so dürfen die Klienten, auch einen Teil Fürsorge weitergeben.

Naturgemäß sind Pferde viel in Bewegung und dies möchten wir Ihnen auch bei uns ermöglichen. Nobby & Mette leben in einer Herde mit derzeit 6 Pferden. Sie dürfen frei entscheiden, wann sie essen, trinken und schlafen wollen und dürfen mit ihren Freunden spielen und Fellpflege betreiben.
Dies ist sehr wichtig, damit sie ihre Freizeit und Ruhezeit genießen können und die doch manchmal anstrengend Arbeit mit dem Menschen „verdauen“ können.